Home Nach oben Inhalt

Gebühren

 

 

Nach oben

Fragen zur Honorarabrechnung des Anwalts für Anträge auf gerichtliche Entscheidung gegen einen Kostenbescheid nach § 25a StVG (Halterhaftung)
 
Von Dr. Dieter Meyer, RiLG a.D., Flensburg
 
In Bußgeldermittlungsverfahren wegen Halt- oder Parkverstößen im ruhenden Verkehr kann der Führer des Kraftfahrzeugs, der den Verstoß begangen hat, nur selten und dann auch häufig nur nach unverhältnismäßig umfangreichen Ermittlungsaufwand ermittelt werden. Deshalb gilt ab dem 1. 4. 1987 für sog. Kennzeichenanzeigen die Bestimmung des § 25a StVG, wonach dem Halter des Fahrzeugs oder dessen Beauftragten regelmäßig die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen sind, wenn der Führer des Kraftfahrzeugs vor Eintritt der Verfolgungsverjährung oder nur mit unangemessenem Aufwand festgestellt werden kann. Die Bußgeldbehörden greifen gern  - oft zu schnell -  auf diese Bestimmung zurück. Die sich daraus ergebenden Probleme sollen anhand eines der Praxis entnommenen und keineswegs untypischen Falles beleuchtet werden. 
 
I.          Sachverhalt
 
1. Firma A erhält vom Ordnungsamt der Stadt H einen Kostenbescheid vom 22. 12. 2005  nach § 25a Abs. 1 StVG, weil ein auf sie zugelassenes Fahrzeug verbotswidrig geparkt gewesen und die Feststellung des Fahrzeugführers vor Eintritt der Verjährung nicht möglich gewesen sei. Deswegen habe sie die Kosten des Verfahrens zu tragen. Sie beauftragt daraufhin Rechtsanwalt R mit ihrer Interessenvertretung insoweit.
 
1.1. Rechtsanwalt R zeigt seine Vertretung der Stadt H mit und beantragt gerichtliche Entscheidung  gemäß § 25 Abs. 2 StVG mit der Begründung,  Fa. A sei nicht Halterin des im Bescheid bezeichneten Kfz.  Daraufhin stellt die Behörde das Bußgeldverfahren mit Bescheid vom 20. 6. 2006 gem. § 47 OWiG auf Kosten der Verwaltungsbehörde ein. Ihre notwendigen Auslagen habe die Fa. A aber selbst zu tragen.
 
1.2. Auf den Bescheid vom 20. 6. 2006 teilt R der Behörde mit, für eine Einstellung nach § 47 OWiG sei kein Raum, weil das OWi-Verfahren bereits eingestellt und eine Kostenentscheidung nach § 25a Abs. 2 ergangen sei. Ober den dagegen bereits eingelegten Rechtsbehelf habe ausschließlich das zuständige Amtsgericht zu entscheiden (§ 25a Abs. 3 Satz 2 StVG, 62 Abs. 2 Satz 2 OWiG , 467 Abs. 1 StPO). R ersucht die Behörde, den Antrag dem Gericht vorzulegen, hilfsweise beantragt er, gerichtliche Entscheidung gegen den Einstellungsbescheid gem. § 62 OWiG. Am 13. 07. 2006 teilt die Behörde dem R mit, die Sache sei an das Gericht abgegeben.
 
1.3. Mit Bescheid vom 16. 10. 2006 stellt die Behörde das Verfahren erneut nach § 46 Abs. 1 OWiG i.V.m. § 170 Abs. 2 StPO  ein. Im Kostenausspruch heißt es: „Ihnen werden als Halter die Kosten auferlegt. ... Die Kosten belaufen sich gem. § 107 II, III OWiG auf: Gebühren + Auslagen = Gesamtbetrag 30,13 €“ Gegen den Einstellungsbescheid  vom 16. 10. 2006 wendet sich R gem. § 62 OWiG mit der Begründung, dass (auch) über seinen ersten Rechtsbehelf das Gericht zu entscheiden habe, weswegen für eine erneute Einstellung durch die Verwaltungsbehörde kein Raum sei.
 
1.4.  Das zuständige Amtsgericht hebt mit Beschluss vom 10. 11. 2006 den Kostenbescheid der Stadt H vom 22. 12. 2005  auf und beschließt auf einen Ergänzungsantrag des R, dass die Kosten des Verfahrens einschließlich der notwendigen Auslagen der Fa. A der Landeskasse auferlegt werden.
 
2. R fragt, wie die Sache abzurechnen ist, insbesondere aber, ob es sich um eine oder mehrere gebührenrechtliche Angelegenheiten handelt.
 
II.         Gebührenrechtliche Stellungnahme
 
1. Die materielle Rechtslage
 
1.1. Um die Frage, wie der Rechtsanwalt die Sache abrechnen kann, insbesondere aber, ob gebührenrechtlich er in einer oder mehreren  Angelegenheiten tätig war, ist zunächst die materielle Rechtslage zu beleuchten.
 
1.1.1. Nach § 25a Abs. 1 StVG hat der Halter eines Fahrzeugs oder dessen Beauftragter unter den dort im einzelnen genannten Voraussetzungen die Kosten des Verfahrens und seine notwendigen Auslagen zu tragen, es sei denn, die Kosten- und Auslagentragungspflicht ist im Einzelfall unbillig. Die Kosten- und Auslagenfolge nach § 25a Abs. 1 StVG ist zwingend, d. h. die Verwaltungsbehörde bzw. das Gericht hat in solchen Fällen dann keinen Ermessensspielraum, wenn ein Härtefall nicht vorliegt.[1] Letzteres ist in der zu betrachtenden Sache offensichtlich nicht der Fall. Wenn die Verwaltungsbehörde nach § 25a Abs. 1 StVG verfahren will, hat sie selbstverständlich den betroffenen Halter oder dessen Beauftragten  rechtliches Gehör zu gewähren (§ 25 Abs. 2 StVG), wobei ein entsprechender Hinweis schon im Anhörungsbogen ausreichend sein kann.[2] Voraussetzung für eine Kosten- und Auslagenentscheidung nach § 25a  Abs. 1 StVG ist aber stets, dass der Halter des Fahrzeugs oder dessen Beauftragter eindeutig festgestellt worden ist und nur der tatsächliche  Führer des Fahrzeugs nicht ermittelt werden kann. Wer Halter ist, bestimmt sich nach § 7 StVG,[3] während der Begriff des Beauftragten dem des § 31a Abs. 2 StVZO entspricht.[4] Die Unterscheidung zwischen der Feststellung des  Halters und des Beauftragten des Halters ist im Rahmen des § 25a Abs. 1 StVG deshalb wichtig, weil entweder der Halter oder der Beauftragte Kostenschuldner sein kann, niemals aber sowohl der Halter als auch der Beauftragte.[5]
 
1.1.2. In der Regel ist die Kosten- und Auslagenentscheidung nach § 25a Abs. 1 StVG mit der das Verfahren abschließenden Entscheidung zu treffen (§ 25a Abs. 2 StVG). In Ausnahmefällen kann aber auch eine selbständige Kosten- und Auslagenentscheidung getroffen werden.[6] Aber auch dann muss eine abschließende Sachentscheidung in einem Bußgeldverfahren, das sich nicht zwingend gegen den Halter oder dessen Beauftragten gerichtet zu haben brauchte,[7] vorausgegangen sein. Liegen die Voraussetzungen für eine ausnahmsweise zulässige selbständige Kosten- und Auslagenentscheidung nicht vor, ist die isolierte Kosten-/Auslagenentscheidung unzulässig und auf rechtzeitig gestellten Antrag nach § 25a Abs. 3 StVG aufzuheben.[8]
 
1.1.3. Bei der Einstellung des Verfahrens, die  nach § 47 OWiG  oder nach § 46 OWiG i. V. m. § 170 Abs. 2 StPO erfolgen kann, braucht die Verfolgungsverjährung noch nicht vorzuliegen. Insoweit reicht es aus, wenn eine Ermittlung des Fahrzeugführers einen unangemessenen Aufwand erfordern würde („oder“).
 
1.2. Anwendung auf den zu betrachtenden Beispielsfall
 
1.2.1. In der gegebenen Sache hat die Ordnungsbehörde der Stadt H offenbar einen unzulässigen isolierten Kostenbescheid erlassen. Es ist nämlich davon auszugehen, dass keine Ausnahme für einen Kostenbescheid ohne vorherige Einstellung vorgelegen hatte. Offenbar war das Bußgeldverfahren wegen des objektiv vorliegenden Parkverstoßes eingeleitete Bußgelderfahren noch nicht eingestellt gewesen, wie auch noch keine Verfolgungsverjährung vorgelegen haben kann. Von Letzterem muss schon deshalb  ausgegangen werden, weil sonst die Einstellung am 20. 6. 2006, die ausdrücklich auf § 47 Abs. 1 OWiG (Ermesseneinstellung) gestützt wird, keinen Sinn macht. Wenn nämlich eine Verfolgungsverjährung eingetreten wäre oder aber von der Nichthaltereigenschaft der Fa. A ausgegangen worden ist, wäre eine Einstellung nach § 46 OWiG i.V.m. § 170 Abs. 2 StPO geboten gewesen. Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung gegen den Kostenbescheid ist deshalb ein solcher nach § 25a Abs. 3 StVG. Dagegen hat R in zulässiger Weise gerichtliche Entscheidung nach § 25a Abs. 3 StVG beantragt.
 
1.2.2. Der Einstellungsbescheid vom 20. 6. 2006 wäre deshalb bei einer korrekten Verfahrensweise der Behörde im Nichtabhilfeverfahren nach § 62 Abs. 1 StVG ergangen. Denn die Verwaltungsbehörde ist nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, ihre Maßnahme im Abhilfeverfahren zu korrigieren, wenn sie erkennt, dass die Voraussetzungen für einen Kostenbescheid nicht gegeben sind, damit dem Gericht ggf. eine Befassung mit der Sache erspart wird.[9] Im Nichtabhilfeverfahren hat die Behörde den unzulässigen isolierten Kostenausspruch in der Weise zu beheben, dass sie den als unzulässig erkannten Kostenbescheid stillschweigend zurücknimmt und einen anderen Verwaltungsakt erlässt, indem sie in der Sache das Bußgeldermittlungsverfahren wegen des Parkverstoßes  nach § 47 OWiG von der weiteren – offenbar noch nicht verjährten – Verfolgung absieht und erneut wegen der Kosten nach § 25a Abs. 1 StVG verfährt. Durch die Entscheidung im Nichtabhilfeverfahren hätte sich der Antrag auf gerichtliche Entscheidung gegen den isolierten Kostenausspruch erledigt. Die Nichtabhilfe hat die Behörde dem Betroffenen formlos mitzuteilen. Eine Unterlassung einer solchen Mitteilung ist indessen unschädlich.
 
1.2.3. Im der konkreten Sache hat die Behörde die Bestimmungen des OWiG aber offensichtlich nicht beachtet. Sie hat das Nichtabhilfeverfahren unterlassen und die Sache unmittelbar an das Amtsgericht zur Entscheidung abgeben, welches das Verfahren auch nicht an die Behörde zur Nachholung des Nichtabhilfeverfahren zurückgegeben, sondern gleich selbst endentschieden hat. Das geht aus der Entscheidung des Gerichts vom 10. 11. 2006 hervor, mit der ausdrücklich der Kostenbescheid vom 22. 12. 2005, also der „Ausgangskostenbescheid“ aufgehoben wurde.
 
1.2.4. Die gegen den  (neuen) Bescheid vom 20. 6. 2006 gerichtete Eingabe ist demzufolge als – neuer – Antrag gemäß § 25a Abs. 3 StVG auf gerichtliche Entscheidung gegen den Kosten- und Auslagenausspruch nach § 25 Abs. 1 StVG aufgrund des Einstellungsbeschlusses vom 20. 6. 2006 zu behandeln. Der Einstellungsbeschluss als solcher ist, soweit sich das Bußgeldermittlungsverfahren überhaupt gegen die Fa. A oder deren Beauftragten (- der im übrigen von Rechtsanwalt R nicht vertreten wurde -) richtete,  hingegen für den Betroffenen unanfechtbar. Das Schreiben der Stadt H vom 13. 07. 2006 enthält demzufolge in der Sache keine Reaktion auf den Kostenbescheid vom 20. 6. 2006, insbesondere keine Nichtabhilfemitteilung, sondern  nur die Mitteilung der Abgabe der Sache aufgrund des  Antrags des R gegen den Bescheid vom 22. 12. 2005. Denn nur diesen Antrag hat das Gericht mit Beschluss vom 10. 11. 2006 und dem Ergänzungsbeschluss betreffend die Auslagen der Fa. A entschieden.
 
1.2.5. Der Einstellungsbeschluss der Ordnungsbehörde vom 16. 10. 2006 gem. § 46 Abs. 1 OWiG i.V.m. § 170 Abs. 2 StPO  ergibt nur dann einen Sinn, wenn man davon ausgeht, dass das Gericht –  aufgrund der Einlassungen der Fa. A durch R oder aus anderen Erwägungen – in der noch nicht verjährten Sache bezüglich der Haltereigenschaft der Fa. A die Ermittlungen wieder aufgenommen hat. Dazu ist die Behörde grundsätzlich befugt. Die Einstellung nach § 47 OWiG bewirkt nämlich keinen Verbrauch der Verfolgungsmöglichkeit i. S. des Grundsatzes „ne bis in idem“.[10] Die Ermittlungen können nämlich jederzeit wieder aufgenommen werden, wenn dazu – aus der Sicht der Verwaltungsbehörde – Veranlassung besteht.
 
2. Gebührenrechtliche Auswirkungen
 
2.1. Angelegenheit
 
2.1.1. Vorab ist die Frage zu klären, ob Rechtsanwalt R in der zu betrachtenden Sache in einer gebührenrechtlichen Angelegenheit tätig war oder ob es sich um Tätigkeiten in mehreren Angelegenheiten handelte. Der gebührenrechtliche Begriff der Angelegenheit ist auch durch das RVG nicht definiert, sondern in den §§ 15-18 RVG nur für die wichtigsten Fallkonstellationen klargestellt worden, ohne dass die Regelungen abschließend sind. m RVG wird – wie in  der BRAGO –  wird unter einer Angelegenheit das gesamte Geschäft als einheitlicher Lebenssachverhalt verstanden, den der Rechtsanwalt für seinen Auftraggeber besorgen soll (§ 675 BGB), wobei das Tätigkeitsvolumen von der Erteilung des Auftrags bis zu seiner Erledigung umfasst wird. Das maßgebliche Kriterium für die gebührenrechtliche Einordnung der auftragsgemäßen Tätigkeit als eine Angelegenheit ist demzufolge der Inhalt des erteilten Auftrags, welcher den Rahmen bestimmt, innerhalb dessen der Anwalt für seinen Mandanten tätig werden soll.[11] Neben einem einheitlichen Auftrag müssen sich die Ansprüche in einem gleichen Rahmen bewegen und es muss ein innerer objektiver Zusammenhang bestehen.[12]
 
2.1.2. Nach den vorstehenden Grundsätzen sind die Tätigkeiten des Rechtsanwalts R in der zu betrachtenden Sache zweifelsohne als eine Angelegenheit im gebührenrechtlichen Sinne zu beurteilen. Der Auftrag der Fa. A an R ging dahin, die ihr als angebliche Halterin eines falsch geparkten Kfz auferlegten Kosten des durch das verbotswidrige Parken eingeleiteten Bußgeldverfahrens – gleichgültig, ob es sich gegen die Fa. A als Betroffene i. S. v. §§ 30, 9 OWiG, deren Beauftragten  oder gegen einen unbekannten bzw. nicht ohne weiteres zu ermittelnden Fahrer des Kfz gerichtet hatte –   abzuwehren. Das allein war der dem R erteilte Auftrag, d. h. dar von der Fa. erstrebte Erfolg. R war mithin ausschließlich in einem Verfahren gegen die Auferlegung der Kosten nach § 25a Abs. 1 StVG, § 108 Abs. 1 Nr. 1 OWiG tätig und nicht als Verteidiger in einem  Bußgeldverfahren gegen die Fa. A, welches bei dem Erlass des Kostenbescheids (der Kostenentscheidung) gem. § 25a StVG bereits  abgeschlossen war. Der Umstand, dass die Ordnungsbehörde der Stadt H im Zuge der Abwehr der Kostenbelastung der Fa. A. mehrfach die Kostenforderung gegen Fa. A auf neue Begründungen stützte bewegt sich im Rahmen des erteilten Auftrages. Allerdings hat sich bei verschiedenen Kostenverfügungen der Gegenstand des Verfahrens im prozessrechtlichen Sinne geändert. Im gebührenrechtlichen Sinne liegt indessen kein neuer Gegenstand vor, gegen die Fa. A gerichtete Kostenverfahren fortgesetzt wurde. Das erhellt auch der Umstand, dass die Ordnungsbehörde die gesamte Angelegenheit unter demselben Geschäftszeichen laufen hatte, dort also nur ein Vorgang geführt wurde.
 
2.2. Gegenstand
 
2.2.1. Vom gebührenrechtlichen Begriff der Angelegenheit zu unterscheiden ist der Begriff des Gegenstandes der anwaltlichen Tätigkeit. Darunter wird gemeinhin dasjenige Recht oder Rechtsverhältnis (der Anspruch) verstanden, auf das sich die jeweilige Tätigkeit des Anwalts bezieht.[13] Eine Angelegenheit kann mit dem Gegenstand übereinstimmen, wie auch mehrere Gegenstände dieselbe  Angelegenheit bilden können.[14]
 
2.2.2. In der zu erörternden Angelegenheit ist R mit der Vertretung der Fa. für mehrere Gegenstände beauftragt worden, nämlich die Beseitigung verschiedener Verwaltungsakte vor.
 
Zunächst war der ursprüngliche Kostenbescheid vom 22. 12. 2005 Gegenstand des Auftrags. Dieser ist durch Entscheidung des Amtsgericht erledigt worden.  der Nichtabhilfeentscheidung aufgrund des Kostenwiderspruchs erledigt worden.
 
2.2.3. Der Kostenausspruch vom 20. 6. 2006 Rahmen nach vorläufiger Einstellung eines Ermittlungsverfahren gem. § 47 OWiG) ist ein neuer Verwaltungsakt. Der neue Verwaltungsakt ist aber ein neuer Gegenstand im Rahmen des dem R erteilten Auftrags. Gegen diesen hat R erneut gerichtliche Entscheidung beantragt. Über diesen Antrag hat die Ordnungsbehörde noch nicht im Nichtabhilfeverfahren entscheiden und die Sache auch nicht an das Amtsgericht abgegeben.. 
 
2.2.4. Gleiches gilt auch für den Kostenbescheid samt Kostenansatz  im Einstellungsbescheid vom 16. 10 2006 nach § 46 OWiG i. V. m. § 170 Abs. 2 StPO. Hier wird zudem deutlich, dass die Ordnungsbehörde die Einlassung der Fa. A, sie sei gar nicht Halter des Fahrzeugs offensichtlich ignoriert hat  („  . . . mit Ihrem Fahrzeug . . . Sie parkten . . .“)
 
3. Vergütungsforderungen des R an den Mandanten
 
3.1. Sedes materie für die Vergütung des Antrags auf gerichtliche Entscheidung ist hier VV-RVG 5200.[15] Mit seinem Auftrageber (Fa. A) kann der Rechtsanwalt seine Tätigkeiten die folgenden Einzeltätigkeiten abrechnen:
 
3.2. Für den Antrag auf gerichtliche Entscheidung gegen den (ursprünglichen) Kostenbescheid vom 22. 12. 2005:
 
eine 1,3-Verfahrensgebühr entsprechend VV-RVG 3100  für die Tätigkeit vor der Ordnungsbehörde,
eine 1,3-Verfahrensgebühr entsprechend VV-RVG 3100  für  die Tätigkeit im Amtsgerichtsverfahren,
jeweils nach einem Wert von 30,13 €
 
3.3.  Wegen VV-RVG 5200 Anm. 2 sind zwei weitere 1,3-Verfahrensgebühren entsprechend VV-RVG 3100  für Tätigkeiten vor der Verwaltungsbehörde entstanden, nämlich für die Anträge auf gerichtliche Entscheidung gegen die Kostenbescheide vom 20. 6. 2006 und vom 16. 10. 2006, jeweils nach einem Geschäftswert von 30,13 €
 
3.4. Nach Abs. 2 Satz 2 der Anmerkung zu VV-RVG 5200, 15 RVG sind die Werte der verschiedenen Gegenstände zu addieren, § 22 Abs. 1 RVG. Das bedeutet, dass R wegen der Tätigkeiten gegenüber der Ordnungsbehörde eine 1,3 Verfahrensgebühr nach einem Wert von 90,39 € sowie für die Tätigkeit im gerichtlichen Verfahren eine 1, 3-Verfahrensgebühr nach einem Wert von 30.13 € berechnen kann. Hinzu kommen selbstverständlich die Auslagen und die gesetzliche Mehrwertsteuer.
 
4. Kostenfestsetzungsverfahren
 
Rechtsanwalt R kann für die  Mandantin (Fa. A) gegen die Landeskasse nach der gerichtlichen Kosten- und Auslagenentscheidung nur die für das Antragsverfahren auf gerichtliche Entscheidung gegen den (ursprünglichen) Kostenbescheid vom 22. 12. 2005 eine 1,3-Verfahrensgebühr für die Tätigkeit vor der Veraltungsbehörde nach einem Wert 30,13 €  sowie eine 1,3-Verfahrensgebühr nach einem Wert von 30,13 € für die Tätigkeit im gerichtlichen Verfahren (zuzüglich Auslagen und MWSt) als notwendige Auslagen festsetzen lassen.
 
Wegen der Anträge auf gerichtliche Entscheidung gegen die beiden weiteren Kostenbescheide der Behörde ist das gerichtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen.

 
[1] Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 39. Aufl., § 25a StVG  Rn. 9 m. N.
[2] streitig, Vgl. Hentschel a.a.O., Rn. 12 m. N.
[3] AG Osnabrück, NZV 1988, 196, Hentschel, a.a.O., § 25a Rn 10 m. N.
[4] Hentschel, a.a.O., § 25a Rn 10
[5] Hentschel, a.a.O., § 25a StVG Rn 10
[6] Janiszwewski, DAR 1986, 260
[7] Hentschel (Fn. 1), § 25a Rn 4
[8] Hentschel, DAR 1989, 93 und in Hentschel (Fn. 1), a.a.O, § 25a StVG Rn 14 m. N.
[9] BGH, NStZ 1992, 507 = NJW 1992, 2169; Meyer-Goßner, StPO,  50. Aufl., § 306 Rn 7; Kurz in Karlsruher Kommentar zum OWiG, 3. Aufl., § 62 Rn 21 m. N
[10] KG, LRE 13, 124
[11] BGH, JurBüro 1976, 742 und bei Hartmann, KostG, 37. Aufl., RVG § 15 Rn 9 ff, 14 ff. m.N.
[12] Dazu m. N. etwa Göttlich-Mümmler/Rehberg/Xanke, RVG. 2. Aufl. „Angelegenheit“ 2, 3d
[13] BGH, AnwBl. 1984, 501; Hartmann, KostG. 36. Aufl., § 15 RVG Rn 12 m. N
[14] BVerfG, NJW-RR 2001, 139; BGH, AnwBl. 1984, 501
[15] Madert in Gerold/Schmidt/von Eicken/Madert/Müller-Rabe, RVG, 17. Aufl., VV-RVG Rn 13, 14) i. V. m. Vorbemerkung 5 Abs. 4 Nr. 1 vor VV-RVG Teil 5

Stand: 15. April 2009